Khidir S. Khalil (Pir Xidir Sileman)
Vor der Bildung des Fürstentums der Sheikhs im 13. Jahrhundert gab es andere yezidische Fürstentümer (Emirate), wie das Fürstentum des Nord- und Süd-Dasins, dessen Hauptstadt Dohuk war. In den Geschichtsbüchern des Nahen Ostens wird von den heldenhaften Kämpfen der Yeziden unter der Führerschaft des yezidischen Fürsten Mir Jafer Dasini (Mîr Caferê Dasinî Hesinmemanî) gegen den Kalifen der Abassiden Mutassam Billah im Jahre 805 nach Christus berichtet. Weiter wird erzählt, daß das Fürstentum des Mir Cafer sich nördich von Mossul befand.
Nach der Bildung des Fürstentums der Sheikhs sind weitere Fürstentümer an anderen Orten entstanden, wie z.B. das Fürstentum der Mehmudi, der Dimili und Bahruni. Der Historker Enwer Mayi Sebaret berichtet in diesem Zusammenhang: "Vor 300 Jahren gab es im Dorf Ashut das yezidische Fürstentum Bahruni." An anderer Stelle schreibt er: "Dohuk war bis zum Jahre 1236 nach Christus die Hauptstadt dieses für eine lange Zeitspanne existierende Fürstentums. Nach dem Zerfall des Fürstentums der Süd-Dasin bildete sich das Fürstentum der Sheikhs, dessen Hauptstadt das Dorf Ba´adre (Ba‘adrê) war. Dieses Fürstentum hat in der Geschichte der Yeziden eine große Bedeutung gespielt. Diese Auffassung wird ebenfalls von dem Historiker Mehfuz Ebasi bestätigt.
Das Fürstentum der Sheikhs genoß aufgrund seiner Stärke einen hohen Respekt bei den umliegenden islamischen Fürstentümern und schützte damit die Yeziden vor Angriffen. Diese Zeit der Stärke der Yeziden wurde im Jahre 1832 durch die Pogrome (1831-1834) des islamischen Kurdenfürsten Mir Muhammad Rewanduzi, auch Mire Kore (Mîrê kor) genannt, endgültig beendet. Durch die Schwächung des Fürstentums der Scheikhs wurde das Sebstbewußtsein der Yeziden erheblich gestört.
Mir Ibrahim - Derwesh Adam
Mir Ibrahim Derwesh Adam ist der Stammvater der Familie der yezidischen Oberhäupte. Er war der erste Zeitgenosse Scheikh-Adis. In dem yezidschen Qewl über Scheikh-Adi wird gesagt, daß Mir Ibrahim, nachdem er erfuhr, daß Sheikh-Adi von Großsyrien nach Lalish gegangen ist, zu ihm ging und ihn als religiösen Führer akzeptierte. Zu dieser Zeit war Mir Ibrahim Fürst im Gebiet Khuressan (Xurasan). Sein Hauptsitz befand sich in Kelha Cerehiye. Nachdem es zu Streitigkeiten zwischen der Familie der Shemsani und der Adani kam und sich der islamische Führer von Mossul Bedreddin Lulu und Sheikh-Sin bekämpfte, übernahmen die Nachfahren von Mir Ibrahim die Führerschaft der Sheikhs und damit der Yeziden. Diese Führung ist bis heute erhalten geblieben.
Mir Ali Beg
Mir Ali Beg war der Sohn von Mir Hussein Beg (Hisên Beg). Nach den Überlieferungen war Mir Ali Beg ein außerordentlich respektierter Führer der Yeziden, der sehr viel zur Verbesserung der Situation der Yeziden beigetragen hat. Er hat sich gegen die Islamisierungsvorhaben des osmanischen Generals Firiq Pasha zur Wehr gesetzt und die Yeziden davor geschützt, für die Osmanen in den Krieg zu ziehen. Aufgrund seines Widerstandes gegen die Osmanen wurden er und seine Beraterin Meyan Khatoun für sieben Jahre nach Sivas verbannt.
Nachdem er aus der Verbannung zurückkehrte, ließ er sehr viele Burgen und yezidische Türme errichten. Durch hohe Stillhaltezahlung an die Osmanen und Nuri Pasha, den neuen islamischen Herrscher von Mossul, konnte Mir Ali Beg die Yeziden für eine kurze Zeit vor Angriffen schützen. Aufgrund dieser Zahlungen wurde Mir Ali Beg von vielen arabischen Autoren als "Fürst der Schmiergeldzahlungen" bezeichnet.
Er bat um die Erlaubnis, ein Buch über das Yezidentum zu schreiben, mit dem Ziel, daß das Yezidentum ebenfalls als eine eigenständige monotheistische Religion akzeptiert wurde, die nicht mit dem Islam verbunden ist. Er verfolgte damit sein Ziel, daß die Yeziden nicht für die islamischen Osmanen in den Krieg ziehen. Desweiteren gab Mir Ali Beg den Osmanen sehr viel Gold, damit diese das religiöse Zentrum der Yeziden Lalish nicht zu einer Medressa (islamischen Koranschule) umfunktionieren.
Mir Tahsin Beg
Mir Tasin Beg ist 1931 in Ba´adre geboren. Nach dem Tod seines Vaters Mir Said Beg wurde er 1944 als 13-jähriger Oberhaupt der Yeziden. Aufgrund seines jungen Alters wurde er von seiner Großmutter Meyan Khatoun beraten. Mir Tahsin Beg genießt aufgrund seines Engagements für sein Volk uneingeschränktes Vertrauen und Respekt. Als Oberhaupt der Yeziden war er des öfteren Zielscheibe von islamischen Fundamentalisten. Aufgrund seiner Kritik an der anti-yezidischen Politik der irakischen Regierung mußte er auf deren militärischen Druck im Jahre 1970 seine Heimat verlassen und exilierte nach London. Der Irak befahl den Yeziden den regierungstreuen Mir Bazid als Oberhaupt anzuerkennen. Die Mehrheit der Yeziden widersetzte sich jedoch diesem Plan und unterstützte weiterhin Mir Tahsin Beg, der nun von seinem Bruder Mir Khairy Beg vertreten wurde. Nachdem sich die politische Lage im Irak gegen die Yeziden etwas entspannt hatte, kehrte Mir Tahsin Beg 1982 in den Irak zurück und residiert seitdem in Ba´adre.
Übersetzung des Beitrages "Mîrgeha Sêxan" aus dem Kurdischen von Telim Tolan und Chaukeddin Issa.
Der Artikel erschien erstmalig in der Print-Ausgabe der Dengê Êzîdiyan, Nr. 6+7 in 1997  |