Titel: Gruppenverfolgung in Armenien und Georgien zwingt Yeziden zur Aufgabe ihrer angestammten Gebiete




Yeziden aus Armenien und Georgien auf einer Demonstration in Bonn im Jahre 1997

Telim Tolan

 

Yeziden in den Ländern Armenien und Georgien sind zunehmend Opfer schwerer Raubüberfälle, Vergewaltigungen und Diebstahldelikte. Der Staat geht nur in den wenigsten Fällen diesen Rechtsverletzungen nach. Die Yeziden fühlen sich Verbrechen aus diesen Gründen schutzlos preisgegeben. Sie erfahren von der armenischen bzw. georgischen Mehrheitsbevölkerung eine geringschätzige, herabwürdigende Behandlung, vor allem dort, wo sie ihr nicht ausweichen können: in der Schule, in der Armee und im Berufsleben.

 

Die Ursachen für die Benachteiligung der Yeziden sind nicht religiös. Vielmehr sind sie auf Sozialneid zurückzuführen, da die Yeziden in der Regel nicht arm sind.

 

Kriminelle haben begriffen, daß Yeziden "leichte Beute" sind. Die Yeziden sind weder in der armenischen Verwaltung noch in der Regierung vertreten: Die auch von anderen Minderheiten erhobene Forderung nach Festmandaten in der armenischen bzw. georgischen Nationalversammlung blieb bis heute unerfüllt.

 

Die Konsequenz ist, daß die Yeziden ihre Heimat verlassen. So hat sich die Zahl der Yeziden in Georgien von 22.000 (1989) auf 1.200 und in Armenien von 60.000 auf 18.000 reduziert.

 

Trotz der Menschenrechtsverletzungen werden Yeziden aus Armenien und Georgien in Deutschland nur in den seltensten Fällen als asylberechtigt anerkannt. Statt dessen werden sie häufig abgeschoben. Auch Informationen darüber, daß abgeschobene Yeziden inhaftiert und verschleppt wurden haben bisher nichts an der ablehnenden Haltung der Bundesregierung Deutschland geändert.

 

Die in Göttingen ansässige Gesellschaft für bedrohte Völker hat im Mai und Juni 1997 die Situation der Yeziden in Armenien vor Ort begutachtet und forderte in einem Rundschreiben an alle Innenminister der Länder einen vorläufigen Abschiebeschutz von Yeziden. Die yezidischen Vereine in Deutschland sind ebenfalls sehr besorgt über die Asylpraxis der BRD. Der yezidische Verein in Bonn organisierte zusammen mit Yeziden aus Armenien und Georgien im Dezember 1996 eine Demonstration und überreichte Vertretern des Deutschen Bundestages einen Situationsbericht der Menschenrechtsverletzungen. Des weiteren fand am 21. September diesen Jahres ein Treffen zwischen dem Kulturforum der yezidischen Glaubensgemeinschaft e.V. und Vertretern von Yeziden aus Armenien und Georgien, darunter die Herren Fatgan K. und Alexander M. statt. Es wurde beschlossen, daß die Öffentlichkeit über das Unrecht an den Yeziden aus Armenien und Georgien informiert wird.

 

Es bleibt zu hoffen, daß die BRD ungeachtet ihrer außenpolitischen Interessen den Menschenrechtsverletzungen nachgeht. Die in Deutschland lebenden Armenier wollen auf keinen Fall mehr zu ihren Peinigern zurückkehren. Eine Reihe von Selbstmordversuchen von abgeschobenen Yeziden nach Georgien macht dies nur allzu deutlich.

 

Zum Autor

Telim Tolan

E-Mail: tolan@yeziden.de

 

Dieser Artikel erschien erstmalig in der Print-Ausgabe der Dengê Êzîdiyan, Nr. 6+7 in 1997



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