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Die Beziehungen des Sufismus zum Yezidentum



Die Bahre von Sheikh-Adi in Lalish - Foto: G. Priess

Dr. Pir Mamou Otman

 

"Die Schöpfungsgeschichte und die Rolle des Bösen im Koran hatte mich inspiriert, ich wollte sie immer wieder lesen, insofern sie meiner Lage, meinen Zielen und Interessen entsprach."

 

Von alters her richteten sich die Blicke auf die orientalischen Länder und die Völker, die schon lange vor anderen die Strahlen der Sonne verehrten, der göttlichen Sonne, welche verbunden ist mit der höchsten Form an Reinheit und einer vollendeten Qualität. Auch die Länder, denen prophezeit war, daß sie in ihren Tempeln und durch die Arten ihrer Anbetung Geheimnisse bewahren werden, die zur Schöpfung der Religionen inspirierten.

 

Diese alten Religionen beruhten im Unterschied zu den himmlischen Religionen auf der direkten Beziehung zwischen Mensch und Gott.

 

Die alten Religionen bauten auf dieser direkten Verbindung zwischen der göttlichen Welt und der menschlich-natürlichen Welt auf. Sie beruhten demzufolge auf einer Brücke zwischen den Menschen und ihren Göttern. Die himmlischen Religionen wie das Judentum, das Christentum und der Islam, basierten auf dem Gegenteil. Sie haben die direkte Brücke zwischen Gott und Mensch aufgehoben mit Ausnahme der Brücke der Prophetenschaft und der Offenbarung. Demzufolge legen sie eine vollständige Trennung der göttlichen und der menschlichen Welt fest. Der Kerngedanke, auf welchem das islamische Dogma mit seiner Prophetenschaft und dem herabgesandten Koran basiert, ist der Tauhîd. Das Dogma des Tauhîd geht von der Ablehnung dieser direkten Verbindung, der Vielgötterei und dem darauf fußenden Polytheismus als Mittel der Verbindung zwischen Gott und Mensch aus. Unterstrichen wird diese These im Koran: "Gott ist einer und hat keinen neben sich". Er ist vollständig von der Welt der Menschen und allen Seiten getrennt. Die direkte Beziehung zwischen dem Menschen und seinen Göttern in den alten Religion (besonders ist hier die yezidische Religion zu erwähnen) führte bei dem einzelnen Yeziden zu Ratlosigkeit und Durcheinander, da eine große Verantwortung auf den Schultern dieser Person lastet. Er ist vor seinem Gott direkt für seine Taten verantwortlich. Als die himmlischen Religionen kamen, erkannten sie das Problem, an welchem die Menschheit litt, und zwar besonders aufgrund des Polytheismus und seiner Verantwortung gegenüber jedem einzelnen Gott und dem daraus resultierenden Wagemut, zu jedem Ereignis einen eigenen Beschluß zu fassen. Und so löste die Idee des einen Gottes (der Eine, der Allverzeihende, der Barmherzige) die alte Idee ab und hob so die große Verantwortung für den Menschen auf. Sie erleichterte das Gewicht auf seinen Schultern um eine Vielzahl von Pflichten und Verantwortungen. Die Anbetung Gottes gab es aber schon vor dem Islam, und die Polytheisten, d.h. diejenigen, die an die Göttlichkeit anderer Wesen glauben, verringerten den Grad der Vermittlung, die sie durch sie erreichten:

 

Sure Yûnus, Ayat 18:

Sie verehren statt Allah das, was ihnen weder schaden noch nützen kann; und sie sagen: Das sind unsere Fürsprecher bei Gott.

 

Die Anhänger der yezidischen Religion können ihre Gegner nicht mit Waffengewalt bekämpfen, sondern sie bekämpfen sie mit der Kraft der Mythologie und der Beschäftigung mit den Ideen ihrer Väter und Vorväter, welche schon die gleichen Stufen durchliefen.

 

Der Grundgedanke, welcher der yezidischen Religion zugrundeliegt, ist die Idee von Ta´usi-Melek. Diese These ist schon seit der Existenz der Yeziden vorhanden. Sie nahmen die Sonne an, die vom Auge des Himmels in den Gott des Himmels umgewandelt wurde. Diese Idee entspricht der gleichen Idee, mit welcher Zarathustra den Gott des Guten Ahura Mazda schuf. So gibt es nicht zwei Pfauenengel, sondern nur einen. Und dies ist nun wieder die gleiche Idee von Gott wie bei den Offenbarungsreligionen. Auch die Yeziden glauben nur an einen Gott. Ursprünglich symbolisierte Ta´usi-Melek in der yezidischen Theologie Gott. Erst durch die Reformen Sheikh-Adis (1074-1162 n. Chr) entstand die auch heute bei den Yeziden gültige Auffassung von Gott und seinem Stellvertreter Ta´usi-Melek.

 

Die Natur der Yeziden ist das Ergebnis der Reflexion über ihre Religion. In der yezidischen Religion gibt es einen strengen Dualismus zwischen dem Guten und dem Bösen, beide kommend aus einer Quelle. Die andere Seite, die eine Mittlerrolle bei der Beschreibung beider sich einander widersprechenden Kräfte spielt, ist der Intellekt. Bei den Christen ist dies Jesus Christus und im Islam ist es Muhammad. Diese Beschreibung geht darauf zurück, daß die menschliche Seele, die im Ursprung ein göttlicher Samen ist und aus dem Guten hervorgebracht wurde, einen Körper betritt. Dieser materielle Körper (Herz, Zunge und Auge) ist der Grund des Abweichens in das Lager des Bösen. Hier ereignet sich der Zusammenstoß zwischen der Seele und dem Körper:

 

"Das Auge ist unsicher. Und das Herz ist ein bedrückender Herrscher auf dem Thron. Das Auge sieht und das Herz liebt Und die Zunge fordert für sich selbst. Oh du Zunge, könnte ich dich doch von Grund aus herausreißen."

 

(Auszug aus einem yezidischen Qewl, religiöser Text)

 

Die gute Seele kämpft gegen die materiellen, sich dem Bösen unterwerfenden Begierden an. Nur die reine Seele allein hat die Freiheit der Erwählung des Guten und damit die Möglichkeit des Siegens über die Begierden und das Böse. Keiner steigt zu dieser Stufe empor, der nicht die Anstrengungen für die Reinigung der Seele und ihrer Freimachung unternimmt. Das Geheimnis dieser Befreiung und des Guten ist alma´rifa (die Erkenntnis). Diese Erkenntnis gemäß dem yezidischen Glauben ist ein direktes Erkennen, welchen den Yeziden mit Ta´usi-Melek verbindet. Von dieser alten Definition der Psyche einer Person beginnt eine Verbindungslinie zur Lehre der Sufis. Diese geht vom Bewußtsein der Wirklichkeit der Seele aus, denn das Prinzip des Sufismus beschreibt die Seele als Teil Gottes bzw. daß die Seele aus dem Wesen Gottes entlehnt ist. Wenn nun der Mensch nicht im vollständigen Bewußtsein dieses göttlichen Ursprungs ist und er im folgenden nicht auf der Grundlage handelt, daß Gott in ihm in irgendeiner Form existent ist, so nimmt ihn die Kraft des Bösen gefangen, und seine Seele lebt im Schattenreich. In dem Falle, daß die menschliche Seele nicht vom Samen des Guten bewohnt ist, so ist sie vom Samen des Bösen bewohnt. Die "Drehenden" Derwische stützen sich auf zwei Methoden, damit ihre Seele ein Haus für Gott wird:

 

"Die 'Indirekte Methode' und ihre Grundlage des Rückzuges in das vollständige Alleinsein oder die direkte Methode der Versammlung auf der Grundlage der Verwirklichung der Einheit mit Gott. Dies geschieht durch Enthaltsamkeit beim Sprechen und das Einstellen jeglicher körperlicher Aktivitäten sowie das Verdrängen aller Empfindungen, bis der Mensch eine neue Geburt verwirklichen kann, die den Mensch zu einem vollständig jenseitigen Geschöpf macht. Dieses unterscheidet sich grundlegend von dem, welches der Mensch vorher verkörperte und er erreicht am Ende die Stufe des Erscheinen Gottes in seiner Seele."

 

Der Sufismus wird zurückgeführt auf die Eigenschaften der Ahl as-Sifa z. Zt. des Propheten Muhammad bzw. Auf as-sûf (die Wolle), d. i. die Kleidung der Propheten und die Zierde der Heiligen. Seine geistige Abstammung geht auf Abû Mûsâ al-Ash´arî und al-Hasan al-Basrî zurück.

 

Die Sufis glauben, daß eine Verbindung mit Gott möglich ist. Der Weg dorthin ist die Befreiung von allem, was sie an die Welt der Gefühle und Empfindungen bindet. Daher kappt ein Sufi jede Beziehung mit der Welt und wendet sich zu Gott. Denn durch diese Bemühung will der Sufi einen Zustand erreichen, in dem er sein eigenschaftsloses Selbst wird und ausrufen kann: "Ich bin Gott" (al-Hallâdj). Alle Sufis stimmen in dieser Sache überein. Sie kennen die Wahrheit und ihren Weg zur Erkenntnis erachten sie als den erhabensten Weg.

 

Die Sufis betrachten sich selbst als befreit von der Bitte um eine Verbindung mit Gott, da sie von den kultischen Vorschriften wie der Waschung, dem Gebet und anderen islamischen Pflichten befreit sind.

 

Sie behaupten, daß diese nur von der Beschäftigung mit Gott ablenken. Vielmehr ist das Ziel der gesetzmäßigen Vorschriften die Hinwendung der Menschen zu Gott zu bestimmten Zeiten. Die Sufis sind dagegen immer zu Gott gewandt.

 

Er ist bestrebt, seine ganze Zeit für Gott da zu sein, denn die Sufis beschäftigen sich mit der Wissenschaft des bâtin (der Esoterik) und bezeichnen sich selbst auch als Bâtinîyûn, d.h. sie allein erbten die Wissenschaften der Propheten und sie allein kennen die innere Deutung, die hinter jeden zâhir (äußere Deutung - Exoterik) zu Tage tritt als zweite Wahrheit hinter dem islamischen Gesetz.

 

Die direkte Beziehung, die der Sufismus zwischen Mensch und Gott baut, ist eine Beziehung mit einem neuen Verständnis innerhalb der islamischen Bewegung. Diese Beziehung ist ursprünglich die Struktur der alten Religionen und so auch der yezidischen Religion. Sie läßt den Menschen eine göttliche Eigenschaft und Gott eine menschliche Eigenschaft erlangen. Und so überlagern sich die Grenzen zwischen Mensch und Gott. Dieses ist der ideologische Kernpunkt, den der Sufismus als geistige Bewegung enthält:

 

"Das Errichten einer neuen Brücke zwischen Gott und Mensch entspricht im Äußeren (zâhir) der prophetischen Beziehung, auf welcher das islamische Dogma beruht. Jedoch beabsichtigt man keineswegs diese prophetische Verbindung wegzuziehen."

 

Die Sharî´a, gemäß dem Islam, verkörpert den einzigen Weg von Mensch zu Gott. Der Staat ist daher die einzige Autorität für diese Verbindung. Deshalb schuf die herrschende Klasse ein Gesetz zur Festlegung der Erkenntnisquellen für den Muslim (gemäß des Gesetzes von Religion und Staat). Der Sufismus hob dieses Gesetz jedoch wieder auf. In dieser Angelegenheit zeigte sich, daß "die offizielle Ideologie des Staates die Beziehung zwischen Mensch und Gott auf die Sharî´a beschränkt. Der Sufismus stellt den Menschen hingegen in eine direkte Beziehung mit Gott. Die Sharî´a, gemäß der offiziellen Ideologie des Staates, ist das einzige Mittel zu Gott, während die sufische Erkenntnis diese Beziehung der Vermittlung überwindet und die Verbindung mit Gott zu einer direkten Verbindung ohne Vermittlung macht."

 

Der Sufismus im Islam rührt von einer Oppositionshaltung zu den abbâsidischen Kalifen und dem Verständnis der Sharî´a her, auf welchem die Grundidee des Kalifates basierte, sowie von den Gruppen, die nach der Errichtung eines neuen Staates für die Gesellschaft strebten. Sie stützten sich dabei auf eine neue Philosophie, die offen für neue Erkenntnisquellen war. Zu den vielen Religionen, Lehren und philosophischen Ansichten mit liberalen Standpunkten gehörte damals die Gemeinschaft der Lauteren Brüder (Ikhwân as-Safa) im Jahre 228 d.H. / 850 n. Chr (die islamische Zeitrechnung beginnt mit der Auswanderung Mohammeds nach Medina 622 n. Chr). Hinsichtlich ihrer Ansichten über die Natur des Menschen ähnelten sie den alten Religionen und besonders der yezidischen Religion. Von der Gesamtheit ihrer Dogmen verkörpert eine Hälfte das islamische Prinzip, insofern der Prophet Muhammad der letzte Prophet war und die islamische Religion die letzte Offenbarungsreligion ist. Sie glauben auch, daß der Ursprung des Bösen vom Herrn des Guten (Gott) kommt, denn wenn jemand will, daß ein anderer gut sei und ihn dazu zwingt, so ist er schlecht. Diese Idee Gottes ähnelt der Idee von Ta´usi-Melek, welcher zu gleicher Zeit Quelle der Bestrafung und Belohnung ist. Sie verkörpert immer das Ergebnis der guten und schlechten Taten. Es gibt auf dieser Ebene noch einen weiteren Berührungspunkt zwischen den Ikhwân as-Safa und den Yeziden: Die Ablehnung des Fatalismus und die Beschreibung des Schicksals als schicksalhaft, was verbunden ist mit der Freiheit der Menschen in der Wahl ihrer Taten. Im 5. Jahrhundert d.H. / im 11 Jahrhundert n. Chr wandeltet sich der Sufismus besonders in Persien und im Iraq in religiöse, gesellschaftliche und politische Institutionen. Diese Institutionen wurden von Shuyûkh geleitet und die Staaten erhoben sich zu ihren Schirmherrn, um durch sie die Unterstützung des Volkes und die Vermittlung der Sufis zu erlangen.

 

Auch der Name al-Hasan al-Basrîs tauchte schon auf. Manchmal wird in den yezidische Gebeten ein Sheikh Hasan erwähnt. Obwohl es sicher ist, daß al-Hasan al-Basrî weit entfernt vom yezidischen Glauben und der Idee von Ta´usi-Melek war, so dürfen doch seine sufischen Gedanken und ihr Einfluß auf die Philosophie seiner Zeit nicht vernachlässigt werden. Ich bemerkte sogar eine Annäherung der Meinungen seiner Schule an die Auffassungen der Sufis, welche bei den Yeziden weiterentwickelt wurden und sie stark beeinflußten. Daher ist auch die Mu´tazila, gemäß ihrer Ansichten, ein wichtiger Punkt des Interesses.

 

Wâsil Ibn Atâ, ein Schüler al-Hasan al-Basrîs, gilt als der Begründer der Mu´tazila. Al-Hasan al-Basrî starb 110 d.H. / 733 n. Chr. Sein Name ist mit seinen Reden über das Schicksal verbunden, in einer Zeit, die geprägt war von den Auseinandersetzungen zwischen den Sunniten und den Khâridjiten. Al-Hasan al-Basrî hob das Schicksal und die Ratlosigkeit der Menschen hervor. Darauf bezog sich dann auch die Schule der Qâdirîya, welche in Basra gegründet wurde. Auch sie nahm eine politische Haltung gegen die Herrschaft der Ummayyaden einnahm. Die Rechtsschule der Qâdirîya, die sich al-Hasan al-Basrî zu eigen machte, legte ihre theoretische Grundlage auf die Idee der menschlichen Freiheit und der Verantwortung für seine Taten. Dies ist die gleiche Idee der Mu´tazila, welche ebenso den Auffassungen der alten Religionen und besonders der yezidischen Religion entsprach. Die Qâdirîya stützte sich dabei auf Vers 15 der koranischen Sure al-Isrâ‘.

 

Die Mu´tazila glaubte an die Freiheit des Menschen und hielt an der Sache des Verstandes fest. Gott belohnt und bestraft den Menschen nach seinen Taten. Und die menschliche Verantwortung für seine Taten ist die Besonderheit der alten Religionen. Die Meinungen und Positionen der Ikhwân as-Safa, der Mu´tazila und der Khâridjiten gegenüber den Nichtmuslimen und besonders gegenüber den Nichtarabern sind von einer toleranten Haltung geprägt und ergreifen nicht Partei gegen andere Religionen und Völker. Deshalb erhielten diese Gruppen und Gemeinschaften auch die Unterstützung der schwächeren Klassen im Irak und Persien.

 

Die meisten islamischen Historiker betrachten die Haltung al-Hasan al-Basrîs mehr als eine politische denn eine religiöse.

 

Die Haltung, welche die Sufis in der Geschichte einnahmen, war eine Haltung des Fliehens vor der realen Welt in eine Welt des Verstandes.

 

Gleiches gilt auch für die Männer des Zoroastrismus, insofern die beim alten Glauben bleibenden sich zu Sufis wandelten, fliehend vor der Armut und der herabwürdigenden Lage, in welche der Islam ihre Völker brachte, die die neue Religion ablehnten. Fliehend vor dieser grausamen Realität wurden sie Sufis, die zur Vereinigung mit dem göttlichen Selbst aufriefen, zur Befreiung von der bitteren Realität. Einige Psychologen bezeichneten die Sufis als nervenkrank aufgrund des Zwangs der menschlichen Seele die schwierigsten Situationen und die Entbehrungem des Lebens zu ertragen, um sich von menschlichen Verlangen und körperlichen Verbindungen zu befreien. Die Sufis glaubten hingegen, daß ihre Methoden der einzige Weg zur Erkenntnis Gottes seien. Einer von ihnen sagte:

 

"Gott machte die Sufis zu den Gottesfürchtigen in der Welt, so daß der Regen herabfällt mittels ihres Segens und die Pflanzen auf der Erde gedeihen durch die Reinheit ihres Zustandes und die Muslime über die Ungläubigen siegen durch ihre Hingabe."

 

Die Mehrheit der Sufis und besonders die, die von den alten Religionen und hier von der yezidischen Religion beeinflußt wurden, glaubte an die Idee des Kommens einer Verbindung mit Gott oder an das Kommen von Gott selbst. Unter den Sufis, deren Namen in den Rezitationen und Gebeten der yezidischen Religion überliefert wurden, sind Djunaid al-Baghdâdî (gest. 298 d.H. / 920 n. Chr) und Husain al-Hallâdj, welcher 309 d.H. / 931 n. Chr von der Hand des Kalifen al-Muqtadir Billah getötet wurde. Ihre Islamität kann man nicht abstreiten, jedoch waren sie mit der yezidischen Religion verbunden, wie man in dem Gebet Husain al-Hallâdj feststellt.

 

Djunaid al-Baghdâdî wird als der Gründer der Gemeinschaft in Bagdad angesehen und gehört zu den Gefährten des ersten Zeugnisses. Die religiösen Riten und Pflichten spielten in seiner Philosophie keine Rolle, da er mit der geistigen Beobachtung Gottes beschäftigt war. So wurde er mit siebzig anderen Sufis angeklagt und zum Tode verurteilt, später jedoch wieder freigelassen (15). Djunaid gilt als der wirkliche Gründer des sunnitischen Sufitums. Er soll gesagt haben:

 

"Wer den Koran nicht bewahrt und nicht den Hadîth schreibt, folgt ihm nicht, denn wir kennen die Fessel mit diesem Buch und der Sunna."

 

Die Ansicht Djunaids wird Tauhîd der Eigenschaften genannt, da der Sufi, der entweder den Untergang oder die Vereinigung vertritt, ein beständiges Phänomen in der Hand Gottes sein wird. Sein Tauhîd ist der Untergang oder die Vereinigung mit Gott.

 

Husain al-Hallâdj (Abû al-Mughîth al-Husain Ibn Mansûr) wurde berühmt durch seine Worte "Ich bin Gott" und daß "Gott Adam nach seinem Ebenbild schuf". Bezüglich der Vereinigung mit Gott ähnelten seine Ansichten denen von Djunaid al-Baghdâdî. Einige nannten ihn daher und auch aufgrund seines sufischen Weges und seiner sonderbaren Worte den phantasierenden Sufi. Al-Hallâdj sagte darüber in seinem Buch:

 

"Ich mische deinen Geist mit meinem Geist, wie der Wein mit Wasser gemischt wird. Wenn dich etwas berührt, so berührt es auch mich. So bist du wie ich in jedem Fall."

 

Das Prinzip der Sufis und besonderes derer, welche in den yezidischen Gebeten erwähnt werden, ist die Verkörperung des Geistes von Gott in ihnen, d.h. die ständige Anwesenheit Gottes auf der Welt und nicht seine endgültige Trennung von ihr, wie dies die Offenbarungsreligionen überliefern. Die Neigung des Sufismus z.Zt. Djunaid al-Baghdâdîs und Husain al-Hallâdjs stellt eine Art Revolution gegen das damalige Herrschaftssystem dar. Sie bedienten sich vieler Arten von Einflußnahmen auf die Leute zur Zügelung ihrer Vergnügen und Enthaltsamkeit im Essen und Kleiden sowie der Anbetung. Deshalb scharten sich auch die Anhänger der alten Religionen, da sie in den Wegen der sufischen Anbetung und den der islamischen Sharî´a widersprechenden Ideen eine Annäherung an ihre religiösen Prinzipien sahen, auch wenn das Verständnis der Prophetenschaft ein anderes als das islamische war. Die Prophetenschaft im Islam ist mit der göttlichen Offenbarung verbunden, die der von Gott inspirierte Prophet entgegennimmt.

 

Dies ist der Weg, der den Propheten von den anderen Menschen auszeichnet. Die Sufis und Gelehrten wie Ibn Sînâ und al-Farâbî legten jedoch die Prophetenschaft und die Offenbarung in die Ebene ihres Seins als eine Form der Erkenntnis.

 

Einige islamische Sekten machten sich ebenso das Recht auf Unsterblichkeit durch Seelenwanderung zu eigen. Diese Bewegungen versuchten, ihre Ideen mit denen der alten Religionen in Persien und dem Irak zu verbinden. Sie gewannen als Gegenwert die geistige Unterstützung, die den herrschenden Systemen seinerzeit entgegentrat. Die Frage der Reinkarnation stellt besonders die einzelne Person in den Vordergrund der Forschung und des Interesses. Dieses Interesse bringt eine weitere Stufe in Richtung Gott mit sich. Schon in der alten Religion der Kurden war dies vorherrschend, hatte doch die einzelne Person eine direkte Beziehung zu Gott.

 

Geist und Schicksal dieser Person standen auch im Mittelpunkt des Interesses der zoroastrischen Religion, die glaubt, daß das Leben von einem Punkt beginnt und nach dem Ableben horizontal in die unendliche Ewigkeit geht. In den Offenbarungsreligionen wie z.B. dem Christentum ist die Kirche bzw. die Gemeinde der Kernpunkt. Im Islam ist es dementsprechend die Moschee. Beide verkörpern Jesus und Muhammad. Und nur auf ihrer beiden Weg findet die christliche oder muslimische Person den Weg zu Gott, im Gegensatz zur yezidischen Religion oder anderen alten Religionen, welche eine direkte Verbindung zu Gott ohne Vermittlung herstellen.

 

Die Mehrheit der überwiegend moslemischen Religionsexperten vertreten die Auffassung, daß Sheikh-Adi das Sunnitentum verbreitete. Jedoch seine Ansichten über das Böse stimmten mit der im 9. Jahrhundert verbreiteten sufischen Ansicht überein, so u.a. der von al-Hallâdj. Sheikh-Adi glaubte, daß Gott keine böse Sache schaffen könnte, die stärker wäre als er und seiner Meinung widersprach. Seine Heiligkeit und Göttlichkeit wurde von seinen Anhängern geglaubt. Dies wird im Kitâb al-Djilwa und den Qasîden Sheikh-Adis wie im oben erwähnten Absatz bekräftigt. Dieser göttliche Charakter war jedoch nicht von der Art, wie sie früher von al-Hallâdj verkündet wurde (Ich bin die Wahrheit). Er unterschied sich vielmehr vom Islam wie von allen Sufis seiner Zeit.

 

Der Grund der Unterscheidung zwischen den Yeziden und den Sufis ist der, daß sich die neuen Prinzipien Sheikh-Adis mit dem alten yezidischen Erbe verbanden.

 

Dies bedeutete u.a. die Anbetung der Sonne, die Vielgötterei, das sufische Tuch (Khirqa), das Geheimnis der Religionen, das pyramidenförmige Klassensystem, welches erst z. Z. von Sheikh-Adi begründet wurde. All diese Prinzipien erlangten neue Bedeutung, die sich vollständig von der islamischen unterschied.

 

Neben der Rechtsschule Sheikh-Adis, welche die Beziehung zwischen Mensch und Gott durch eine dritte Person ablehnte, warnte Sheikh-Adi vor Verzerrungen, mit welchen die zoroastische Religion die Yeziden unterdrückte. Gleiches gilt für die Frage der Anbetung von Deva, welche die Zoroastrier gegen die Anhänger der Feueranbetung verwendeten, die Kalbfleisch essen und die Tiere des kosmischen Kreises des Mithraskultes heiligten, wie Kalb, Skorpion oder Schlange.

 

Sheikh-Adi erlaubte den Yeziden wieder die praktische Ausübung der alten Bräuche ihrer Religion, wie die Anbetung des Feuers und die Ersetzung ihrer alten Götter durch das Wort Khudân bzw. Khâs. Die Yeziden glauben, daß alles von Gott bestimmt wird. Nichts passiert ohne die Einwilligung Gottes, von dem sowohl das Gute als auch das Unheil kommt. Yeziden argumentieren: Wie schwach wäre Gott, wenn er neben sich einen Zweiten akzeptierte, der ohne seine Zustimmung Böses verrichten kann.

 

Deshalb existiert im Yezidentum auch nicht die Gestalt des Bösen. Allein die Aussprache des Namen des Bösen ist die Antastung der Allmacht Gottes. Gott hat den Menschen den Verstand gegeben, es liegt in der Verantwortung des Menschen Gutes zu tun. Hier liegt ein großer Unterschied zu den anderen Weltreligionen. Diese Anschauung brachte den Yeziden den grundlosen Vorwurf der Anbetung des Bösen ein. Das Verständnis des Bösen, wie es die heiligen Bücher wiedergeben ebenso wie die Schöpfungsgeschichte, die zu den Yeziden erst nach der Ankunft von Sheikh-Adi kam, geht auf den gleichen Ausgangspunkt wie die sufische Annahme von der Beseitigung der Grenzen zwischen Mensch und Gott zurück. Die Schöpfungsgeschichte im Mashaf Rash schreibt folgendes:

 

"Gott schuf am Sonntag den Engel Azrâ‘îl. Er ist Ta´usi-Melek, der Führer von allen. Am Montag schuf er den Engel Dardâ‘îl. Er ist Sheikh Hasan. Am Dienstag schuf er den Engel Isrâfîl. Er ist Sheikh Shams. Am Mittwoch schuf er den Engel Mîkâ‘îl. Er ist Sheikh Abû Bakr. Am Donnerstag schuf er den Engel Djibrâ‘îl. Er ist Sadjâdîn. Am Freitag schuf er den Engel Shamnâ‘îl. Er ist Nâsir ad-Dîn. Am Sonnabend schuf er den Engel Nûrâ‘îl. Er ist Sheikh Fakhr ad-Dîn."

 

Das Böse, über das in den heiligen Büchern geschrieben wird, unterscheidet sich vom Deva, welches charakteristische für die zoroastrische Religion ist. Beide beziehen sich jedoch nicht auf Ta´usi-Melek, der die Anbetung des Sonne und des Gottes des Guten verkörpert. Die Yeziden schufen sich nun eine Geschichte, die der Geschichte vom Bösen und der Schöpfungsgeschichte aus den heiligen Büchern ähnelt. Ihre Auslegung ist aber unterschiedlich.

 

Es ist nicht seltsam, daß die Yeziden nur selten sich von dem durch die heiligen Bücher vorgeschriebenen religiösen Verständnis entfernten, da es in allen Teilen Kurdistans verbreitet war. Die Situation in Persien und im islamischen Iraq ließ sich gut mit der Situation im christlichen Europa des Mittelalters vergleichen. Engels schrieb darüber:

 

"Die vorherrschende Meinung im Mittelalter war nicht die, sondern war die der religiösen Männer, die die einzige gebildete Schicht darstellten. Deshalb war die Sicht der Kirche die Basis des Denkens und die Quelle der Verbreitung. Die Inhalte der Rechts- und Naturwissenschaften sowie der Philosophie waren daher mit den Lehren der Kirche konform."

 

Von diesem Ausgangspunkt weichen die Erklärungen der anderen alten Religionen nicht ab, trotz ihrer Opposition zum Kalifen und der Shari´a bezüglich des von den heiligen Büchern vorgeschriebenen Bildes und den koranischen Bestimmungen.

 

Die Anhänger der alten Religionen in Kurdistan konvertierten in den meisten Fällen zum Islam. Jedoch bewahrten sie trotz ihrer Islamisierung einige Auffassungen, welche bis heute bei ihnen vorhanden sind.

 

So stimmen die Ahl al-Haqq und die türkischen Aleviten der bei den Yeziden vorhandenen Idee über die Position des Bösen zu. Die Anhänger dieser drei Religionen glauben, daß die Niederwerfung des Bösen vor dem Skelett Adams ein Akt des Widerspruches zur Idee Gottes darstellt, die sich an der Kraft des Bösen manifestiert. So war der Ungehorsam des Bösen eine richtige Idee und diente der Unterstützung der Einheit Gottes und seiner Erhabenheit über alle Geschöpfe (nach sufischen Auffassungen). Die Yeziden werden von den Historikern meist nur am Rande der Geschichte erwähnt und nicht zuletzt sehen sie sich selbst auch am Rande der Geschichte stehend. Der Grund hierfür ist ihre Nichtbereitschaft zur Verkündung des Wesens des Glaubens ihrer Väter und Vorväter, welcher im Widerstand zum islamischen Monotheismus stand. Im Gegensatz dazu betrachten sich die Yeziden als erstes Volk, das Yazdân bzw. Allah anbetete (Dies erläuterte ich bereits in meinem Artikel: Licht auf die Philosophie und den Ursprung der yezidischen Religion, 1990). Andererseits ist es offenkundig, daß wir ein religiöses Gebet zum Lobe Yezid Ibn Mu´âwiyas besitzen. In welcher Beziehung steht dieser zum Yezidentum? Die Anhänger der yezidischen Religion unterstützen die Methode von Yezid Ibn Mu´âwiya, der dem Islam entgegentrat, da dieser die Yeziden unterdrückte. Nach dem Tode Mu´âwiyas 680 bestieg sein Sohn Yezid den Thron. Die Historiker beschreiben ihn wie folgt:

 

"Yezid Ibn Mu´âwiya war jung und ungestüm in seinem Benehmen und Tun. Er war bekannt für seine Spielerei sogar mit den Prinzipien der Sharî´a und ihrer Riten. Außerdem war er unwissend auf den Wegen des allgemeinen Verhaltens. Zwischen ihm und den Aufgaben, die er zu erfüllen hatte, war eine breite Kluft von völliger Isolation und der Beschäftigung mit seinen täglichen banalen Vergnügen."

 

Yezid bekämpfte den, wer ihm nicht huldigte. Als die Leute von Medina rebellierten und seine Huldigung zum Kalifen verweigerten, entsandte Yezid eine Armee aus Syrien zur Niederschlagung des Aufstandes. Diese setzte ihren Weg nach Mekka fort und belagerte die Stadt. Sie begannen damit, sogar die Ka´ba in Brand zu schießen.

 

Nach meiner Ansicht war der Hauptgrund der Unterstützung Yezids durch die Yeziden z. Z. Sheikh-Adis die Bekämpfung der Prinzipien der islamischen Sharî´a durch Yezid (was an sich ein sufisches Prinzip war).

 

Die Idee vom "erwarteten Yezid" bzw. daß Yezid mit der Seele von Malak Tâ`ûs eines Tages wiederkommen wird, ist hingegen auf der Ideologie der ärmeren Schichten gebaut, die nicht die Fähigkeit zur Aufhebung der Unterdrückung besitzen.

 

Sie erwarten die Erlösung von einer Person, die Gott geschickt hat, um die Erde mit Gerechtigkeit zu füllen, nachdem sie bisher mit Lasterhaftigkeit und Sünden gefüllt war. So wiederholen es auch die yezidischen Gebete. Diese Auffassung spielt auch eine Hauptrolle beim Niedergang eines Volkes bzw. der Unfähigkeit, das Standhalten herauszufordern woraus das Bekenntnis des Scheiterns resultiert. Sie sagen, daß er eines Tages wiederkommt und daher verbinden sie die Idee des Kommens von Yezid mit der von Sheikh-Adi erwähnten Seelenwanderung. Als Geist von Malak Tâ`ûs kommt er zur Unterstützung seines yezidischen Volkes. So verschwindet er und kehrt er zurück, damit verwirklicht werden kann, was vor ihm noch nicht verwirklicht werden konnte. Yezid Ibn Mu´âwiya starb, auch Sheikh-Adi starb, doch beide werden nicht als tot erachtet, sondern sie vertauschten nur ihre Kleider (kurd.: kirâs kahwâratin) und kehren erneut zurück. Diese Idee könnte aus dem jüdischen Erbe übernommen worden sein. Die Juden behaupten, daß der Prophet Akhnûkh lebendig in den Himmel stieg und er zurückkehren wird, um die Erde mit Gerechtigkeit zu füllen. Dieselbe Idee erschien dann im Christentum, in sofern der erwartete Christus nur in einer zeitlichen und örtlichen Abwesenheit ist. Wie der Koran überlieferte, wurde Christus nicht von den Juden getötet, sondern ein ihm ähnlicher.

 

Die Idee, daß Yezid am Jüngsten Tag noch einmal zurückkehrt, ist vergleichbar mit der Idee vom erwarteten Mahdî. Ursprünglich war dies keine religiöse Idee, sondern ein Mittel zur Aufhebung der Niederlage, ein Mittel zum Festhalten an der Hoffnung. Denn die Schwachen mit der Natur ihres herabwürdigenden Zustandes verbinden ihre Hoffnung und ihr Streben mit Personen und Symbolen für die Befreiung von Unterdrückung und Tyrannei. Dies ist gleichzeitig Hinweis wie Drohung für den Angreifer. So sagt eine yezidische Überlieferung:

 

"Wer eine Verordnung gegen meine Gemeinschaft erläßt, gegen den werden ich am Jüngsten Tag ebensolches tun."

 

Eines der Geheimnisse der yezidischen Religion ist das Nichtvorhandensein eines besonderen Buches, wie die heiligen Bücher für die Yeziden. Meiner Meinung nach sind wir ständig gezwungen, wenn wir den Ursprung der yezidischen Religion und ihre Anziehungskraft untersuchen, unsere Anschauungen und Meinungen zu diskutieren. Was meine besondere Aufmerksamkeit erregt, ist die Erwähnung der Zahl 72 in verschieden Gebeten und Texten:

 

"Ich bete zu dir, oh Gott, daß du die 72 Völker beschützt, ebenso die 1002 Personen, ..."

 

Dann erwähnen die Yeziden, daß im Laufe der Zeit 72 Erlasse (Fermane) gegen sie verkündet wurden, die meisten davon kamen aus dem islamischen Lager. Ebenso erscheint die Zahl 7 in einigen Gebeten, verbunden mit den 7 Wochentagen, den 7 Himmeln und den 7 Sternen. Reste des Ursprungs der kurdischen Religion, bezüglich von Festen, dem Erbe und anderen Bräuchen, findet man immer noch unter den Yeziden, den kurdischen Aleviten und den Ahl al-Haqq. Trotz des starken islamischen Einflusses und der Zwangsbekehrung einiger von ihnen werden diese Gewohnheiten und Feiertage noch immer bei ihnen begangen.

 

Zu den gemeinsamen Glaubensvorstellungen bei Yeziden, kurdischen Aleviten (von denen derzeit etwa 3 Mio in der Türkei leben) und Ahl al-Haqq gehört die Institution der Seelenwanderung vom Menschen zu Gott und umgekehrt.

 

Die Rolle des Hadjî Baktâsh in der alevitischen Religion ähnelt der Rolle des Sheikh-Adi bei den Yeziden. Hadjî Baktâsh wandte sich im 13. Jahrhundert von Khurrâsân kommend in die heutige Türkei. Er gilt als Besitzer von Segenskraft und ist der größte alevitische Pîr. Die Aleviten erkennen die Herabsendung des Korans und die Sharî´a nicht an, ebenso wie die Yeziden. Es gibt drei gemeinsame religiöse Säulen bei den Yeziden wie den Aleviten (Qizilbâsh): "tarîqa - ma´rifa - haqîqa". "tarîqa" bedeutet die geheime Lehre der Gemeinschaft, "ma´rifa" ist die Erkenntnis des göttlichen Seins durch den Sufismus und "haqîqa" ist die Erprobung des Vertrautmachens mit dem göttlichen Selbst. Sie wird manchmal auch der Weg genannt. Diese Säulen in beiden Religionen sind Stationen auf dem Weg zur Einheit und geistigen Vervollkommnung des Menschen.

 

Die Anbetung bei den Qizilbâsh vollzieht sich in den religiösen Versammlungen (cem) unter Aufsicht ihres größten Pîrs, des Dada. Zu den wichtigsten Gemeinsamkeiten zwischen Yeziden und Qizilbâsh sowie den anderen gehört bis heute der Jenseitsbruder (brâij âkheratê).

 

Bei den Qizilbâsh heißt er ahiret kardesligi (24). Seine Funktion ist in beiden Religionen gleich. Folgende Idee liegt ihm zugrunde: Jede yezidische oder alevitische Person braucht im Jenseits einen Zeugen für seine Taten, sowie einen Begleiter, einen Bruder, der sich in den Leiden des Diesseits um ihn und seine Familie sorgt. Zu den gemeinsamen Festen beider Religionen gehören das Îd al-Mûtâ und das Îd Xidir Ilyâs. Das letztere entspricht dem gleichen Fest bei den Griechen. Der Prophet Xidir trank vom Wasser des Lebens und wurde unsterblich. Er geht auf der Erde umher und bringt die Natur zum leben. Auch bewirkt er die Fruchtbarkeit, den Regen und die Lebenslinien. Selbst die Christen feiern dieses Fest auf die gleiche Art wie die alten Religionen. Es heißt bei ihnen Tag des Heiligen Georg.

 

Aus dem Vorigen wird deutlich, daß das Yezidentum und eine Reihe weiterer Religionen, die noch immer von den Kurden befolgt werden (wie den Kaka‘î, den Ahl al-Haqq und den kurdischen Aleviten), älter als der Islam, die sufischen Bewegungen und ihre Anhänger sind, deren Namen in den religiösen Gebeten erwähnt werden.

 

Die Mehrzahl der unter den Yeziden verbreiteten Gebete wurden zur Zeit Sheikh-Adis verfaßt ebenso wie das pyramidenförmige Kastensystem auch.

 

Die Klasse der Intelligenzia war jedoch schon vor dem Islam an den Angelegenheiten der alten kurdischen Religionen beteiligt. Sie war aber die Klasse, welche ihre religiösen Titel nicht durch Geburt vererben konnte, wie dies der Fall bei der Klasse der Pîre und Shuyûkh in der yezidischen Religion ist. Die theologischen Studien mittels Bemühung (Idjtihâd) und Konzentration gingen hingegen auf diese Klasse zurück.

 

Die unter den Yeziden verbreitete Schöpfungsgeschichte und die Auffassungen von Paradies und Hölle (mit ihrem den Offenbarungsreligionen ähnelnden Vorstellungen) wurden erst im 10. Jahrhundert in die Glaubensauffassungen der Yeziden übernommen.

 

Das Scheitern aller Versuche hingegen den yezidischen Glauben nach dem Tod Sheikh-Adis zu seinen alten Quellen zurückzuführen begründet sich in der Frage der Herrschaft, die sich mittels des Kastensystems durchgesetzt hat. Ebenso begründet sich dies in der Angst vor den Gewalttätigkeiten des Islams und seiner Vernichtungskampagnen gegen die Abweichler von der offiziellen islamischen Linie. Wie die historischen Quellen berichten, war die muhammedanische Mission seit ihrem Beginn ein klares religiöses und politisches Projekt. Zu ihren Opfern gehörte u.a. auch die alte kurdische Religion mit ihren zu den neuen Prinzipien der Offenbarungsreligion widersprüchlichen Ansichten von der Verbindung mit Gott.

 

Übersetzung aus dem Arabischen von Sebastian Maisel.


 

MÊRXAZÊ WELETÊ SOVÊTÊ: SEMENDÊ ELÎ SÎABENDOV

Zimanê Kurdi

Mor Julius Dr. Hanna Aydin: Êzidî bêtir ji Xiristiyanan zordarî li wan dibe!

Lesung in Oldenburg am 17.02.08

BÎRANÎNA PROF. ŞEKROYÊ XUDO

Bericht zur Vorstellung des Buches von Chaukeddin Issa im Hause der GfbV

75 Jahre Prof. Dr. Dr. Gernot Wießner

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Einladung zum Seminar übers Yezidentum in Berlin

Erste Buchvorstellung mit Chaukeddin Issa in Hannover


BI RUXSETA WEBE … BILA EW HIZIR NEMÎNIN. VÊCARÊ SUND NA BI BERATA ŞÎXADÎ YE …!!


Jahresabschlussbericht der Jugendabteilung des Yezidischen Forum e.V.


Li Celle „Navenda Êzîdiyan li Niedersachen“ bi navê “Êzîdxan” hat vekirin!


Presseerklärung zum Tatort „Wem Ehre gebührt" vom 23. Dezember 2007

Glückwünsche zum Neujahr / Sersala we pîroz be


 

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