NewsYezidentumVereineZentralratJugendFrauenMenschenrechteFAQLinksForumBilderPublikationenKontakt


Fragen zum Yezidentum

Religion

Gesellschaft

   Interview mit dem Oberhaupt der Yeziden - Mir Tahsin Saied Beg
Historische traumatische Ereignisse und deren Einfluß auf die nachfolgenden Generationen

Kontinuität und Wandel der yezidischen Identität in Deutschland: Eine vorläufige Bestandsaufnahme

Die Liebe zu den Yeziden ist ein Teil meines Lebens

Ein yezidisches Forum ist in der Türkei, in Syrien oder Zentralirak“undenkbar

Gemeinsame Erklärung der yezidischen Vereine in Deutschland zur Negativ-Kampagne

Yeziden fühlen sich als Bürger dieser Stadt

Darauf können alle Kurden stolz sein!

Eintragung der yezidischen Religion

Das yezidische Mädchen und ihre Stellung in der Gesellschaft

Ursachen und Wirkungen der Krankheiten kurdischer Bürger außerhalb ihrer Heimat

Die Yeziden müssen eine eigene Theologie entwickeln
 


Kultur

Geschichte

 

 

yeziden.de Yezidentum Gesellschaft Interview mit dem Oberhaupt der Yeziden - Mir Tahsin Saied Beg   

Interview mit dem Oberhaupt der Yeziden - Mir Tahsin Saied Beg



Mir Tahsin Saied Beg

Das folgende Interview wurde anlässlich des Deutschlandbesuches des Oberhauptes der Yeziden im April 1999 geführt.

DÊ: Sehr geehrte Hoheit, bitte stellen Sie sich unseren Lesern vor.

 

Mir: Ich bin im Jahre 1933 als fünftes Kind von Saied Beg und Meyan Khatun geboren. Ich habe fünf Brüder und drei Schwestern. Meine Brüder Mirza und Kheiri sind älter, Celal und Faruq sind jünger als ich.

 

DÊ: Wann wurden Sie das Oberhaupt der Yeziden?

 

Mir: Als mein Vater im Jahre 1944 verstarb, war ich erst elf Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt haben der Religiöse Rat, Stammesführer und Meyan Khatun beschlossen, dass ich der neue Mir werde. Bis zu meinem 18. Lebensjahr hat Meyan Khatun als meine Stellvertreterin die Geschicke der Yeziden geführt.

 

DÊ: Können Sie bitte unseren Lesern die Stellung des Mir erklären?

 

Mir: Der Mir ist das Oberhaupt des Religiösen Rates und der Yeziden.  Er vertritt die Yeziden in allen Angelegenheiten gegenüber Staaten und Stämmen. Der Mir ist das Oberhaupt des yezidischen Volkes. Es gibt nur einen Mir: Meine Familienmitglieder sind keine Mir´s.

 

DÊ: Welche Ziele haben Sie sich gesetzt, als Sie das Oberhaupt der Yeziden wurden, und welche konnten Sie hiervon bisher erreichen?

 

Mir: Mein vorrangigstes Ziel war es, dass die yezidischen Kinder die Schulen besuchen. Damit mehr Schulen in den yezidischen Dörfern gebaut werden, habe ich mich an die damalige Regierung und den Gouverneur von Mossul gewandt. Diese haben entsprechende Bemühungen unternommen, weil zu dem Zeitpunkt die Bildungsnachfrage unter uns nur gering war. Einige ältere Yeziden waren gegen den Schulbesuch der Yeziden. Sie begründeten diese Abneigung mit der angeblichen Unvereinbarkeit mit unserer Religionsgemeinschaft. Sie hatten die nachvollziehbare Befürchtung, der Unterricht würde zu einer schleichenden Islamisierung der yezidischen Kinder missbraucht werden. Auch ich war mir dieser Gefahr bewusst. Ich wollte jedoch eine für die Yeziden angemessene Lösung hierfür finden. Ich war und bin immer noch überzeugt, dass wir nur durch einen hohen Bildungsstand unsere Probleme lösen können. Bei der Verwirklichung dieses Ziels habe ich große Schwierigkeiten hinnehmen müssen, die durch die damalige Regierung und einige ältere Yeziden verursacht wurden. In den Jahren 1952 und 1953 wurden in einigen yezidischen Dörfern Schulen eröffnet. Aufgrund dieser Bildungsinitiative hat sich unser Volk weiterentwickelt. Mittlerweile gibt es auch unter den Yeziden Ärzte, Ingenieure, Lehrer und Studenten.

 

DÊ: Welche Fremdsprachen beherrschen Sie?

 

Mir: Neben meiner kurdischen Muttersprache kann ich Arabisch und Englisch sprechen und habe Grundkenntnisse der persischen Sprache.DÊ: Wann haben Sie ihre erste Auslandsreise unternommen?

 

Mir: Im Jahre 1951 habe ich zuerst zusammen mit meinem verstorbenen Bruder Mir Kheiri eine Reise nach Libanon und Syrien unternommen. Ich habe in meiner Funktion als Oberhaupt (Mir) die Yeziden in der Gegend der Städte Hasseke und Qamishlo besucht. Ich bin  öfter in den Libanon gereist und von dort 1962 nach London geflogen. Dort hatte ich aus gesundheitlichen Gründen einen sechsmonatigen Aufenthalt und bin anschließend nach Deutschland gereist. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Yeziden in Europa.

Im Jahre 1970 wurde ein Umsturzversuch gegen die irakische Regierung unternommen, an dem auch ein Freund, der Befehlshaber von Sheikhan, beteiligt war. Der Versuch scheiterte, und mein Freund wurde festgenommen. Im Gefängnis wurde er gefoltert und sagte schließlich über mich aus, dass ich ebenfalls am Umsturzversuch beteiligt gewesen sei. Die irakische Regierung wollte mich in der Stadt Eyn Sufne festnehmen, aber ich konnte entkommen und floh in mein Dorf Baadre, das im kurdischen Autonomiegebiet lag. Damals war Mustafa Barzani der Kurdenführer. Als 1975 im Algier-Vertrag der Waffenstillstand zwischen Iran und Irak beschlossen und der Widerstand der Kurden niedergeschlagen wurde, war ich gezwungen, die kurdischen Gebiete zu verlassen und in den Iran zu fliehen. Von da aus bin ich weiter nach London gegangen.

 

DÊ: Wie haben Sie von den Yeziden in Deutschland erfahren und wann haben Sie die erstmals besucht?

 

Mir: Mein Sohn Said ist 1975 nach Deutschland gereist und hielt sich bei einer yezidischen Familie in Berlin auf. Er berichtete mir, dass ca. 100 yezidische Familien in Deutschland leben. Deshalb bin ich 1975 nach Deutschland gekommen und habe nach einem kurzen Aufenthalt in Berlin die Yeziden in Celle besucht. Ich wurde von den Yeziden sehr herzlich aufgenommen, mir wurde Respekt entgegengebracht, und ich erfuhr große Unterstützung. Hierfür bin ich den Menschen sehr dankbar. Von 1975 bis 1981 hielt ich mich in London im Exil auf. In diesen sechs Jahren erzielte ich keine Einnahmen und erhielt von dritten Stellen keine finanzielle Unterstützung. Hier haben mir die Yeziden in Deutschland unter die Arme gegriffen, so dass ich auf die Hilfe Fremder nicht angewiesen war. Ich spreche hierfür meinen herzlichsten Dank an meine Freunde aus, Gott und Tausi-Melek mögen ihre Spenden segnen.

 

DÊ: Was muss unternommen werden, damit die yezidischen Gebete und Texte gesammelt und veröffentlicht werden?

Mir: Auch ich möchte, dass diese Texte veröffentlicht werden, damit sie für alle zugänglich werden. Früher waren wir schwach und hatten Angst. Jetzt müssen wir feststellen, dass eine schriftliche Fixierung unserer Lehren unumgänglich ist. Ich rufe daher die yezidischen Gelehrten auf, ihr Wissen niederschreiben zu lassen.

 

DÊ: Verfügt der Religiöse Rat über eine eigene Zeitschrift und Unterorganisationen?

 

Mir: Bisher hat es ein derartiges  Medium nicht gegeben. [Über die Zusammensetzung und Funktion des religiösen Rates wurde in der Ausgabe 6+7 berichtet.]

 

DÊ: Ist es möglich, dass die Mitglieder des Religiösen Rates von den Yeziden gewählt werden?

 

Mir: Die Wahl der Mitglieder des Religiösen Rates erfolgt auf Vorschlag des Volkes und mit der Zustimmung des Mir. Die Mitglieder des Religiösen Rates müssen nach den Regeln der “Sed u Hed” (Kastenordnung) vom Volk gewählt werden. Es kann nicht jeder Yezide gewählt werden. Z. B. der Babascheikh muss dem “Xudan” (Scheikhverband) der Scheikh Fekhra angehören.

 

DÊ: Wer könnte aus Ihrer Familie den Sitz des Mir einnehmen und haben Sie bereits einen Nachfolger bestimmt?

 

Mir: Bis jetzt habe ich noch keinen bestimmt. Die Entscheidung, ob der Sohn, Bruder oder ein Neffe Mir wird, liegt beim Volk.

 

DÊ: Können Sie den Xalti-Sinjaq (Tausi-Melek-Figur) zu den Yeziden nach Deutschland schicken?

 

Mir: Das Xalti-Sinjaq [Tausi-Melek-Figur, die für die Yeziden in der Türkei eingesetzt wude.] befindet sich in unserem Besitz. Sollten die Yeziden es wünschen, können wir das Sinjaq in der Begleitung der Qewale [geistliche Gelehrte], die auch die tradtionellen Musikinstrumente Def und Shibab mit sich führen [s. Ausgabe 6+7, Die Qewals], nach Deutschland schicken.

 

DÊ: Wie stehen Sie zur Gründung von yezidischen Vereinen in Deutschland?

 

Mir: Ich messe den Vereinen und Gemeinden eine erhebliche Bedeutung für die yezidischen Interessen in Deutschland bei – vorausgesetzt, sie widmen sich aufrichtig ihren Aufgaben. Ich möchte, dass sie sich gegenseitig achten und nicht gegeneinander arbeiten. Wir sollten uns als eine Einheit betrachten, zwischen der es keine Probleme geben darf. Bei allen Zusammenkünften, an denen ich teilnehme, bitte ich die Yeziden, sich zu vereinigen und unsere alte und stolze Religion zu bewahren. Dabei habe ich die große Hoffnung, dass die yezidischen Vereine mit der Kraft von Gott und Tausi-Melek die yezidische Indentität in Europa bewahren können. Als Oberhaupt der Yeziden fühle ich mich allen yezidischen Vereinen verbunden und will auch keinen einzelnen Verein bevorzugen. Wir alle bilden die yezidische Gemeinschaft.“Mit Bedauern muss ich feststellen, dass es keine Einheit zwischen den yezidischen Vereinen gibt. Die Vereine verfolgen offensichtlich unterschiedliche Interessen. Es scheint sehr schwer zu sein, diese unter einem Dach zu vereinigen.

“Ich halte es für ausgesprochen wichtig, dass sich der Religiöse Rat, die Vereine und Freunde der Yeziden mit den genannten Problemen auseinandersetzen und gemeinsam Lösungen finden und die Religion bewahren. Ich verfolge keine parteipolitischen Ziele und betrachte mich weder als Ver.bündeten noch als Gegner einer kurdischen Partei. Ich sehe mich auch nicht als Gegner von gewissen yezidischen Vereinigungen. Dennoch möchte ich nd dunterstreichen, dass ich die Arbeit der yezidischen Vereine, die sich besonders und aufrichtig für die yezidische Belange engagieren, begrüße. Wer etwas Gutes für die Yeziden verrichtet, hat unseren Dank.“

Die Errichtung des yezidischen Gemeindehauses in Oldenburg steht im Dienste des Yezidentums und ist sehr wichtig. Es freut mich sehr, dass in diesem Haus auch Religionsunterricht für Kinder abgehalten wird. Ich beglückwünsche Euch hierzu.

Ich habe es für selbstverständlich erachtet, in allen meinen Sitzungen den Yeziden und den Vereinen von dem Gemeindehaus in Oldenburg zu erzählen. Ich hoffe, dass alle yezidischen Vereine ihre Blicke auf den yezidischen Verein in Oldenburg richten und ebenfalls yezidische Gemeindehäuser errichten sowie Religionsschulen einführen. Dies ist sehr wichtig für den Erhalt des Yezidentumsi.

Wenn jemand im Dienste eines yezidischen Vereins steht, darf er diese Funktion nicht für parteipolitische Zwecke missbrauchen.  Außerhalb der Vereinsaktivitäten hat er selbstverÿPständlich das Recht, sich einer Partei anzuammschließen und ihr zu dienen. Niemand sollte dies verurteilen. Zum Beispiel erteilt Pir Khidir Sileman im yezidischen Gemeindehaus Religionsunterricht und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Yezidentums. Ihm ist es selbstcverständlich erlaubt, sobald er das Haus verlässt, sich irgendeiner Partei anzuschließen. Ich hoffe, dass der Streit zwischen den kurdischen Parteien nicht in die yezidische Gesellschaft getragen wird. Die Yeziden sind friedlich und  betrachten die kurdischen Parteien nicht als Gegner.

 

DÊ: Wie sieht der Kontakt der yezidischen Vereine mit dem Religiösen Rat aus?

 

Mîr: Es ist wichtig, dass ein Dialog zwischen den Vereinen und dem Religiösen Rat entsteht. Es gibt von unserer Seite Anstrengungen, die Vereine unter einen Dach zu bringen und für diese ein besseres Aufgabenkonzept zu erstellen.

 

DÊ: Ist es möglich, dass die Yeziden ihre religiösen Abgaben (Fito) nicht den Priestern, sondern den Vereinen spenden?

Mir: Nein. Dies ist nicht möglich. Die Yeziden müssen die Abgaben ihren Sheikhs und Pir´s geben. Die Yeziden haben das Recht, ihrem Geistlichen die Abgabe zu entziehen, wenn er seine Aufgaben nicht erfüllt. In solchen Fällen kann ein neuer Geistlicher bestimmt werden. In der Heimat erfolgt der Wechsel eines Geistlichen nach Beratschlagung mit dem Mir.

 

DÊ: Was war der Grund, dass erstmals der Religiöse Rat im Januar 2000 nach Deutschland gekommen ist?

 

Mir: Wir haben an dem religiösen Kongress in Hannover teilgenommen. Wir wollten, dass Yeziden aus allen Ländern zusammentreffen und ihre Religion der Weltöffentlichkeit vorstellen.

 

DÊ: Schildern Sie uns bitte Ihre Eindrücke und Wünsche vom Leben der Yeziden in Deutschland.

 

Mir: Die Yeziden sind aus den Staaten Irak, Syrien, Türkei, Armenien und Georgien nach Deutschland gekommen.

Wir befinden uns in einem Meer. Dieses Meer birgt viele Schwierigkeiten in sich. Wie können wir uns auf diesem Meer freischwimmen? Die Überwindung dieser Problematik ist von unserem Engagement für den Erhalt und der Pflege des Yezidentums abhängig. Wichtig ist die bewusste Erziehung der yezidischen Jugendlichen und der Zusammenhalt der Yeziden. Die Jugendlichen sollten rechtzeitig an die yezidische Lehre herangeführt werden und ein Bewusstsein zu Gott und Tausi-Melek, Sheikh Adi, den Sheikhs und Pirs und den Engelsvorstellungen entwickeln. Sollten wir dies in der Erziehung vernachlässigen und auch die kurdische Sprache nicht vermitteln, werden die Jugendlichen zwangsläufig ihre Religion und die Muttersprache nicht annehmen. h“Ich habe in Deutschland positive, aber auch negative Beobachtungen machen müssen. Ich möchte hierzu einige Beispiele nennen:

Ein besonderes Ärgernis ist es, dass es immer noch Eltern gibt, die versuchen, ihre Kinder gegen deren Willen zu verheiraten, und ein erhöhtes Brautgeld (Qelen) fordern. Viele der Zwangsheiraten werden nach kurzer Zeit wieder geschieden. Die zumeist jungen Frauen oder Männer haben sich enttäuscht von der yezidischen Gemeinschaft abgewendet und sie verlassen. Für diesen Zustand sind allein die Eltern mit ihrer Engstirnigkeit und Kurzsichtigkeit verantwortlich. Dies ist ein Vergehen am yezidischen Volk! Es ist nicht mein Anliegen, dass die Jugendlichen die Ratschläge ihrer Eltern ausschlagen, aber in den Fällen, wo Eltern versuchen, mit Zwang ihre Kinder zu verheiraten, solten die Jugendlichen ihren Eltern nicht folgen. Ich wünsche mir, dass Jugendliche, die sich allein nicht gegen den Willen der Eltern durchsetzen können, keine unüberlegten Entscheidungen tref_fen. Vielmehr sollen sie sich zur Unterstützung an yezidische Freunde wenden oder sich den yezidischen Vereinen anvertrauen.

Die Form der Zusammenkünfte der Yeziden anlässlich von Trauerfeiern und Festlichkeiten ist sehr gut. Leider sind zu diesen Anlässen einige Übertreibungen entstanden. So werden bei Trauerfeierlichkeiten zu Ehren des Verstorbenen über das gebotene Maß Speisen zubereitet. Viele Angehörige begleiten den Leichnam bei Überausesführungen in die Türkei. Ich bin der Meinung, hier werden unnötige Kosten verursacht. Außerdem möchte ich darauf hinweisens, dass die Yeziden ihre Toten sehr wohl in Deutschland beerdigen können. Dieser Schritt sollte selbstverständlich werden.

Wir Yeziden müssen uns als eine Solidargemeinschaft verstehen. Sollte ein Yezide, egal welcher Herkunft und gesellschaftlichen oder religiösen Ranges, versuchen, die Yeziden mit seinem Verhalten zu schädigen, dann müssen wir diese Person beim Namen nennen und zurechtweisen. Natürlich sind auch wir als Mitglieder der Mir-Familie von dieser Regel nicht befreit. Auch diese können Fehler machen, schließlich sind sie nicht vom Himmel gefallen.

Wichtig ist hierbei, dass die Kritik nicht auf  die Familie pauschal übertragen wird. Wenn solchen Personen keine gesellschaftliche Ächtung entgegengebracht wird, trägt die yezidische Gesellschaft Schäden davon. Wenn der Zusammenhalt unter den Yeziden in Deutschland stark ist, können sie eine große Unterstützung für das Yezidentum in der Heimat sein. Ihr seid hier frei und könnt eure Wünsche offen zur Sprache bringen. Wir können von Euren Veröffentlichungen über das Yezidentum auch in der Heimat profitieren. Wir möchten nicht, dass sich die Yeziden in der Heimat und in Deutschland voneinander distanzieren. Die Probleme der Yeziden in der Heimat sind größer als in Europa. Wir brauchen einen lebendigen Austausch zwischen den Yeziden. Mit diesem Dialog können viele Probleme gelöst werden. Ich habe mehrmals erklärt, diese Arbeit, die Ihr verrichtet, und dieses Haus, das Ihr zum Erhalt des Yezidentums gebaut habt, ist keine Kleinigkeit. Wer könnte behaupten, dass dies nicht gut ist?

 

DÊ: Was möchten Sie den yezidischen Jugendlichen mitteilen?

 

Mir: Ich grüße herzlich alle yezidischen Jugendlichen. Ich hoffe, dass unsere Jugendlichen ihre Religion bewahren und sich  stets mit dem Yezidentum verbunden fühlen. Die yezidischen Mädchen dürfen gegenüber den yezidischen Jungen nicht benachteiligt werden. Ihnen stehen die gleichen Rechte wie den Jungen zu – auch was die Bildung betrifft. Mit großer Freude sehe ich die Qualifizierungsbemühungen yezidischer Jugendlicher. Für die yezidische Gemeinschaft ist es von erheblicher Bedeutung, dass yezidische Jugendliche Universitäten besuchen, damit sie ein breiteres Verständnis für ihr Volk, ihre Religion und Kultur entwickeln können und somit auch zum Erhalt des Yezidentums beitragen können. Ich habe das Thema öfter bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten zur Sprache gebracht und wiederhole hier: Ich  bitte alle Eltern, die wollen, dass wir vorwärtskommen, ihren Kindern den Besuch von weiterbildenden Schulen und insbesondere Universitäten zu ermöglich und sie mit allen Kräften zu unterstützen. Die Eltern dürfen hierbei nicht vergessen, den Kindern die yezidische Identität zu vermitteln. Je mehr Studenten die Yeziden hervorbringen, desto besser wird das Yezidentum verstanden und erhalten. In vielen Bereichen haben die Yeziden einen Nachholdebedarf, der auch in dem niedrigen Bildungsstand begründet ist.

Ich sage nichts Neues, wenn ich betone, dass nach dem Ableben der älteren Generation die jetzigen yezidischen Jugendlichen die Träger unserer Gemeinschaft sein werden. Dank des Studiums und der Bildung haben sich die anderen Völker weiterentwickelt. Danach können auch unsere Studenten und jungen Intelektuellen streben. Sechs Tage in der Woche sollten sie für ihre eigenen Interessen tätig sein und einen Tag im Dienste des Yezidentums stehen. Dabei sollten sie den Kontakt mit ihrer Gesellschaft intensivieren.

 

Das Interview führten  Kemal und Telim Tolan “Übsersetzung aus dem Kurdischen: Telim Tolan.


 

    - top -