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Ursachen und Wirkungen der Krankheiten kurdischer Bürger außerhalb ihrer Heimat

Sermet Dag

 

Neben körperlichen Dauerschäden zählen bei den kurdischen Migranten psychische und psychosomatische Erkrankungen zu den häufigsten Krankheitserscheinungen, die sie während der Migration in der Fremde erleiden. "Die mit der Migration verbundenen komplexen Anpassungsverläufe an neue kulturelle und gesellschaftliche Bedingungen waren immer mit erheblichen Belastungen verknüpft.

 

Insbesondere die Vielfalt neuer Aspekte, die rechtliche Unsicherheit, Diskriminierung, die Unplanbarkeit zukünftiger Gestaltung des eigenen Lebens, führte in hohem Ausmaß zu Überforderungssituationen. Verlusterlebnisse und die langzeitliche Dimension dieser Prozesse erhöhten und vertieften diese Überforderungssituation und zeigen nun ihre krankheitsfördernden Potentiale" (Institutfür Sozialarbeit und Sozialpädagogik 1992, Heft Nr. 3/ 4 S. 43).

 

In einem Bericht der Frankfurter Rundschau vom 16.11.1992 wird auf die psychosomatischen Krankheiten der türkischen/kurdischen Migranten und daraus resultierenden Leiden verwiesen. Hier wird ausgesagt: "Türken/Kurden, die in der BRD leben, sind anfällliger für psychosomatische Krankheiten als Deutsche." Diese Hypothese wird auch von Medizinern gestützt.

 

Funktionelle Störungen an Magen und Darm treten, wie Ärzte auf einem Symposium berichteten, bei türkischen/kurdischen Männern und Frauen mindestens zweimal häufiger als bei deutschen Bundesbürgern auf. Symptome wie Reizdarm und Reizmagen diagnostizierten die Ärzte sogar dreimal öfter bei Türken/Kurden als bei Deutschen und sprachen von einem "Deutschland Syndrom" der ausländischen Mitbürger. Dieses Phänomen wird auf die schwierige psychische Situation der nunmehr dritten Generation von Kurden in Deutschland zurückgeführt. Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Ausländer, häufige Krankschreibungen und negative Auswikungen auf die Atmosphäre am Arbeitsplatz sind die Folge psychosomatischer Krankheitsbilder vor allem im Magen-Darm Bereich. Neben diesen Äußerungen der Mediziner gab es auch immer wieder auftretende Begleitumstände der Migration.

 

Als Gründe psychosomatischer Erkrankungen können erwähnt werden:

• Lebensbedohliche Umstände in der Heimat

• Fragliche Zukunfstorientierungen

• Identitätskrisen,

• Entwurzelungserlebnisse

• Trennungsphasen von Eltern-Kind Beziehungen und Verlustgefühle, Generationskonflikte

• Ausweisungsdruck usw.

 

Hinzu kommt nunmehr die Gewissheit, daß eine Rückkehr in die Heimat ausgeschlossen ist. Durch die kompletten Familienzusammenführungen und der mittlerweile ausgeprägten kurdischen Identität gibt es keinen Grund mehr zurückzukehren.

 

Eines soll jedoch noch zum Nachdenken anregen. Waren es anfangs finanzielle Gesichtspunkte, weshalb die 1. Generation die gewohnte Umgebung verließ, sind es nunmehr der Wunsch nach mehr Freiräumen und Rechten die die jüngere Generation ebenso zu diesem Schritt treiben. Keiner weiß welche Folgen es konkret für uns haben wird. Eines ist sicher. Die Auswirkungen werden gravierender sein als psychosomatische Symptome unserer Vorfahren mit denen sich vielleicht medikamentös noch leben läßt. Das Leben in der Fremde fordert seine ersten Opfer. Werden es die letzten sein?

 

Zum Autor

Sermet Dag

E-Mail: S.Dag@t-online.de

 

Dieser Artikel erschien erstmalig in der Print-Ausgabe der Dengê Êzîdiyan, Nr. 6+7 in 1997


 

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